Dienstag, 31. Oktober 2017

Luthers Willen

Zum diesjährigen Reformationstag und Jubiläum lohnt es sich besonders an einige Worte Luthers zu erinnern, die zwar vielfach zitiert, aber wenig beachtet werden:
„Zum ersten bitte ich, man wolle meinen Namen nicht nennen und sich nicht lutherisch, sondern Christen heißen. Was ist Luther? Ist doch die Lehre nicht mein. So bin ich auch für niemand gekreuzigt. St. Paulus wollte nicht leiden, daß die Christen sich sollten heißen paulisch oder petersch, sondern Christen. Wie käme denn ich armer, stinkender Madensack dazu, daß man die Jünger Christi sollte mit meinem heillosen Namen nennen? Nicht also, liebe Freunde, laßt uns die parteiischen Namen nicht gebrauchen, sondern Christen heißen, dessen Lehre wir haben. Die Papisten haben billig einen parteiischen Namen, dieweil sie nicht genug haben an Christi Lehre und Namen, wollen auch päpstisch sein; so laßt sie päpstisch sein, der ihr Meister ist. Ich bin und will niemandes Meister sein. Ich habe die allgemeine Lehre Christi, der allein unser Meister ist.“
Quelle: Ermunterung + Ermahnung - Jahrgang 1947 - Seite: 40

Freitag, 27. März 2015

Lese-Tagebuch - Eintrag 22

Buch: Die Versammlung des lebendigen Gottes
Autor: Rudolf Brockhaus (1856 - 1932)
Auflage: 1. CSV-Auflage 1993
Verlag: CSV, Hückeswagen
ISBN: 3-89287-330-5
Seitenzahl: 104

Vergegenwärtigen wir uns noch einmal, was wir in den vorhergehenden Einträgen schon gesehen haben, indem wir folgende Abschnitte vor uns stellen:
»So ist „die Versammlung Gottes“ jene aus allen Völkern der Erde gesammelte und berufene Schar, die Versammlung der Berufenen, die allezeit vor Gottes Augen steht, obwohl sie über die ganze Erde hin verstreut ist, und die ihren jeweiligen Ausdruck, ihre örtliche Darstellung, da findet, wo Gläubige sich einfach als solche, als Glieder des Leibes Christi, um Christum, ihr Haupt, scharen.« (ebd., Seite 18).
Was bedeutet das für die Gläubigen, welche »wünschen« ... »ein einheitliches Zeugnis von der kostbaren Wahrheit darzustellen, daß da ein Leib und ein Geist ist« (ebd., Seite 14)?
»Sie sind Kinder Gottes und deshalb Brüder, sie sind Glieder am Leibe Christi, durch einen Geist zu einem Leibe getauft; das Wort nennt sie Heilige und Geliebte. Ist das nicht genug? Sollen sie dem noch irgendeinen anderen Namen, ein anderes Bekenntnis hinzufügen?
Wozu gehören sie? Sie sind, wie bereits gesagt, Glieder am Leibe Christi, sie sind Christi Eigentum, sie gehören zu der Versammlung des lebendigen Gottes (1. Tim 3,15), sind lebendige Steine in dem geistlichen Hause, dem heiligen Tempel Gottes, sie sind heilige und königliche Priester (Eph 2 und 1. Pet 2), Anbeter Gottes in Geist und Wahrheit usw. Sind das denn nicht auch die übrigen Gläubigen, alle Kinder Gottes? Selbstverständlich! Oder sind jene es mehr oder in einem anderen Sinne als diese? Keineswegs! Haben sie irgendetwas voraus vor anderen Kindern Gottes? Nicht das Geringste! Was scheidet sie denn von diesen? Von ihrer Seite nichts; die Scheidungsgründe liegen auf der anderen Seite, in den vielen menschlichen Zutaten, Namen, Bekenntnissen, Statuten, Einrichtungen, die sie nicht als von Gott kommend anerkennen und deshalb auch nicht annehmen können.« (ebd., Seite 15).
»Ganz gewiß wird auf die Frage, inwieweit die göttlichen Gedanken und Absichten praktisch von uns verwirklicht werden, die Antwort immer demütigend für uns ausfallen; aber sollten wir deshalb den göttlichen Boden verlassen und mit weniger zufrieden sein, als Gott uns geschenkt hat?« ... »Nimmermehr!« (ebd., Seite 58+59).
Der Bruder beantwortet viele praktische Fragen und geht dabei auf mögliche Einwände ein, was zeigt das er nicht im leeren Raum argumentierte, sondern sorgsam bedacht war keine offenen Fragen zurückzulassen. Was mir bei diesem Buch sehr gut gefällt - man könnte dies wohl von allen bisher betrachteten Bücher über die Versammlung (o. Gemeinde) festhalten, aber bei diesem finde ich es einfach ausgesprochen schön -, ist die Prägnanz mit der uns biblische Wahrheiten vorgestellt werden.

Donnerstag, 26. März 2015

Lese-Tagebuch - Eintrag 21

Buch: Versammelt in Seinem Namen
Autor: Georges André
Verlag: Ernst-Paulus-Verlag, Neustadt
Seitenzahl: 63

Ein weiteres der kleineren Büchlein, setzt die Kenntnis biblischer Begebenheiten und Zusammenhänge teils voraus und ist somit weniger geeignet für solche, die sich erstmals mit dem Thema der Versammlung o. Gemeinde beschäftigen. Es gibt weiterführende Verweise auf Literatur und Zitate, wobei aber oftmals nur Initialen angegeben sind, was überhaupt nicht glücklich ist, wenn man dem durch Kenntnis keine Namen zuordnen kann.

Wie in den schon betrachteten Büchern, finden wir wieder den überaus bedeutungsvollen Punkt vor uns:
»Es ist also wichtig, daß man unterscheidet zwischen dem, was verderbt ist: dem Haus Gottes, soweit sein Bau der Verantwortung des Menschen übertragen ist, und dem, was bleibt: dem Leib Christi, der Braut des Lammes, der Verheißung der Gegenwart Christi inmitten der zwei oder drei in Seinem Namen Versammelten.« (ebd., Seite 20).
Hier ist es gut, einen Punkt festzuhalten, den Karl-Heinz Weber formuliert hatte:
»“ ... da bin ich in ihrer Mitte.“ Manche Übersetzungen haben das etwas ungenau übersetzt: „ ... da bin ich mitten unter ihnen.“ Das ist zu schwach!« ... »Es geht hier nicht darum[,] dass der Herr Jesus irgendwo unter uns ist, nein, Er ist der Zentralpunkt, zu dem alle Fäden hinlaufen, von dem aller Segen ausgeht.« ... »Er ist der Mittelpunkt des Ratschlusses Gottes und Er ist der Mittelpunkt unseres Zusammenkommens.« (K.-H. Weber, Der gemeinsame Weg der Kinder Gottes nach der Schrift, Seite 30).
Diese Frage muss lebendig vor uns stehen. Ist der Herr Jesus tatsächlich der Mittelpunkt unseres Zusammenkommens? Ist er nur noch irgendwo inmitten der Seinen zu finden oder gar vor der Tür, wie es bei Laodizea (siehe Offenbarung 3) der Fall war?

Zum Bild der Braut lernen wir:
»Um uns die Beziehungen der Gottheit, wie Sie Sich uns geoffenbart hat, bis zu einem gewissen Grad zu vergegenwärtigen, gebraucht der Geist Gottes die Namen des Vaters und des Sohnes. Wir kennen aus irdischer Erfahrung den Wert solcher Beziehungen.
Die Zuneigung zwischen Brüdern rührt davon her, daß sie das gleiche Leben, die gleiche Natur, den gleichen Vater, die gleiche Abstammung haben.
Aber die Verbundenheit zwischen Mann und Frau entspringt einer anderen Quelle. Sie hatten nicht beide die gleiche Herkunft; im Gegenteil. Jedes lebte in seinem Kreis, hatte ein anderes Leben, eine andere Familie. Was bringt sie zusammen und vereinigt sie unlöslicher als Brüder? Die Liebe! Christus hat „die Versammlung geliebt“. Das ist die Quelle von allem.«
(G. André, Seite 58).
Johannes bezeichnet sich selbst in seinem Evangelium als den »Jünger, den Jesus liebte«, weil Er sich der Liebe die der Herr Jesus zu Ihm hatte in einem besonderen Maße bewusst war. Ebenso hatten wir es gerade bei Maria von Bethanien gefunden. Und ebenso dürfen auch wir zu dem Herrn kommen - ach, wenn wir es doch mehr täten -, wissend: »Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat (1. Johannes 4,19; Elb.CSV).
»Ein letztes Mal erwähnt das Wort Gottes die Braut in Offenbarung 22,17: „Und der Geist und die Braut sagen: Komm!“ Bald darauf schließt das heilige Buch; jener Ruf aber muß widerhallen „Komm!“. „Amen; komm, Herr Jesus!“« (ebd., Seite 63).

Mittwoch, 25. März 2015

Lese-Tagebuch - Eintrag 20

Buch: Drei Charaktere - ein Haus in Bethanien
Autor: Hermanus C. Voorhoeve (1837-1901)
Auflage: 1. Auflage 2015
Verlag: CSV
ISBN: 978-3-89287-401-0
Seitenzahl: 73

Unter den diesjährigen Neuerscheinungen des CSV findet sich diese kleine Kostbarkeit, die hier einzuschieben mir ein echtes Herzensanliegen ist. Das Buch zeigt uns die Geschwister Martha, Maria und Lazarus, die Verbindung die sie zu dem Herrn Jesus und die der Herr Jesus zu ihnen hatte.
»Sie standen in einer einzigartigen Beziehung zu Ihm. Wir finden in der Bibel kein weiteres Beispiel einer derart innigen Vertrautheit mit Jesus« (ebd., Seite 10).
Schon allein dieser Umstand sollte es wert sein unsere Aufmerksamkeit auf dieses Haus zu richten.
»Denn obwohl alle Jesus von Herzen lieb hatten und Er sie alle innig liebte, gab es bei den dreien doch Unterschiede im Charakter und im geistlichen Leben. Der Heilige Geist stellt uns diesen Unterschied in einigen markanten Merkmalen vor Augen« (ebd., Seite 21).
So lernen wir von Martha beispielsweise:
»Jesus ist es wert, dass wir alles für Ihn übrig haben. Für Ihn sollte keine Mühe zu viel, keine Arbeit zu schwer und keine Anstrengung zu groß sein.« (ebd., Seite 23).
Und doch:
»Sie dachte mehr an ihren Dienst als an den Herrn« (ebd., Seite 25); »hätte sie nur um des Herrn Jesus willen gedient, dann wäre kein Einwand über ihre Lippen gekommen.« (ebd., Seite 26).
Wir werden vom Autor daran erinnert, dass viele die Erfüllung in ihrer Arbeit, ihrem Dienst finden und nicht in dem Herrn, was dann offenkundig wird, wenn die Fortführung der Arbeit oder des Dienstes nicht mehr möglich ist - weil man nicht in dem Herrn ruht. Ich musste noch an den Umstand denken, dass manche Dienste uns nur für eine gewisse Zeit gegeben werden. Aus der Apostelgeschichte wissen wir von Lukas, dass er in Philippi zurückblieb, sich der neu entstandenen Gemeinde dort annahm, um später erst wieder zu Paulus zu stoßen. Der Herr kann uns morgen mit einer anderen Aufgabe betrauen, als wir sie heute haben oder an einen anderen Ort stellen; und auch dann wird erkennbar werden ob Er im Vordergrund steht oder nicht. Welches Verhängnis, wenn wir dann nicht gehen, sondern im Eigenwillen verharren.
»Wie viel Getriebensein gibt es oft unter Christen! Wie wenig wird gefragt: Herr, was willst du, dass ich tun soll? Man denkt so wenig daran. Was man selbst für gut und nützlich hält, was man selbst für das Evangelium nützlich und förderlich hält, das tut man einfach, ohne zu fragen, ob der Herr das gutheißt.« (ebd., Seite 30).

Wenn wir dann Maria vor uns haben, finden wir:
»Eine Sache ist nötig für jeden, der glaubt. Und das ist: den Herrn Jesus über alles wertzuschätzen. Natürlich haben wir über die Maßen Grund, uns unserer Errettung zu erfreuen, die durch Jesus zuwege gebracht wurde. Wir können nicht dankbar genug sein für die Gnade, die unser Teil geworden ist. Wir haben die Vergebung unserer Sünden und das ewige Leben; wir sind Kinder Gottes und Erben mit Christus geworden; auf uns wartet die Herrlichkeit droben. Aber über diesem allem steht die Person von Christus.« (ebd., Seite 42-43).
Es ist nur ein kurzer Abschnitt, aus diesem wunderbaren Kapitel. Ich wüsste nicht, wo aufhören, wenn ich alles daraus zitieren sollte, was mich innerlich bewegt hat. Eine Sache will ich noch nennen. Lazarus war gestorben und was wir finden ist folgendes:
»Martha beginnt mit dem Herrn ein Gespräch über die biblische Lehre, aber Maria fällt zu seinen Füßen nieder, um weinend ihren Kummer auszuschütten. Wo Jesus Martha unterweisen muss, kann Er mit Maria weinen. „Jesus vergoss Tränen“ (v. 35). Das sind bewegende Worte.« (ebd., Seite 50).
Auch hier würde ich gerne weiterschreiben, über all das Wundervolle, das wir finden, wenn wir erfahren dürfen wie die Liebe des Herrn Jesus unserer Not begegnet und wir seine Anteilnahme erfahren dürfen. Wer von Gott einmal an diesen Punkt geführt wurde, weiß, dass es wahr ist. Großer und treuer Herr!

Und dann war da die Begebenheit, als Maria das Salböl über Jesu Füße goss, sechs Tage vor Seinem Tod:
»sie wollte Ihn verherrlichen, Ihm Güte erweisen. Seine Person war für sie so unaussprechlich herrlich, seine Schönheit war für sie so unvergleichlich, dass sie nicht anders konnte, als Ihm dankbar zu huldigen, Ihn zu preisen. Jesus musste verherrlicht werden, sein Name musste groß gemacht werden und sein Ruhm erzählt werden.« (ebd., Seite 54).
Immer wieder wird unser Blick auf den Herrn, seine Person gelenkt und es wurde oben schon gesagt. Dies „ist nötig für jeden, der glaubt“. Wir fragen uns, warum das christliche Zeugnis in unseren Tagen so kraftlos ist; und eine Antwort ist sicherlich, weil wir den Herrn aus dem Zentrum unserer Betrachtungen genommen und den Menschen an seine Stelle gesetzt haben. Anstatt auf den Herrn zu blicken, drehen wir uns um uns selbst. Und wie könnte Gott dies segnen, wenn wir auf etwas anderes blicken, als auf den herrlichsten Gegenstand seiner Betrachtung, Seinen geliebten Sohn. Jedes einzelne Buch der 66 Bücher der Bibel hat den Herrn Jesus zum Thema und wir tun gut daran Ihn darin zu suchen und zu finden.
»Alles, was Maria tat, fand man sonderbar und unangebracht.« ... »Doch wie herrlich für sie: Der Herr Jesus verstand sie, Er schätzte ihre Tat, Er verstand ihre Liebe und ihre Hingabe an Ihn.« ... »Die Zustimmung des Herrn ist wichtiger als die der Menschen.« (ebd., Seite 56+59)
So war es auch bei David, als die Bundeslade nach Jerusalem zurückgeführt wurde und Michal, seine eigene Frau, kein Verständnis für die Freude des Königs aufzubringen vermochte. Das ist traurig, aber gerade diese Begebenheit in 2. Samuel 6 zeigt uns auch, dass wir darüber keine harsche Antwort zu geben brauchen: »und ich will noch geringer werden als diesmal und will niedrig sein in meinen Augen« (2. Samuel 6,22a; Elb.CSV).

Wenden wir uns noch kurz dem zu, was Bruder Voorhoeve über Lazarus schreibt:
»Sein Name wird nur wenige Male genannt, und von dem, was er redete und tat, wird nicht ein einziges Wort gesagt. Aber - er wurde von dem Herrn Jesus geliebt; der Herr Jesus nannte ihn seinen Freunde; er wird Zeuge der Auferstehungsmacht des Herrn Jesus und ein Teilhaber des Herrn Jesus in seinen Leiden und seiner Schmach.« (ebd., Seite 73)

Ich gebe selten direkte Leseempfehlungen, aber in diesem Fall, würde ich mir wünschen, dass doch viele Gläubigen sich einmal dieses Buch vornehmen und mit Gebet und dem Wort Gottes in der Hand, damit beschäftigen, was uns Gott durch dieses Haus in Bethanien zu sagen hat.

Dienstag, 24. März 2015

Lese-Tagebuch - Eintrag 19





Buch: Die Einheit der Gläubigen
Autoren: Christian Briem, Walter Briem, John N. Darby
Auflage: 3. Auflage 1985
Verlag: CSV
Seitenzahl: 42


Im zweiten kleineren Büchlein  finden wir im ersten Aufsatz das Brotbrechen (anderenorts ungenauer Abendmahl genannt) vor uns.
Der textlichen Gegenüberstellung der »beiden Seiten des Brotbrechens« (ebd., Seite 10-11), wollen wir hier in einer tabellarischen - und damit leichter zu erfassenden Form - ein wenig Raum geben:


1. Korinther 111. Korinther 10
Besprochen wird/werdendie innere Art und Weiseäußere Beziehungen
Die beiden Seiten:Das Mahl des HerrnDer Tisch des Herrn
Der GegensatzDas „eigene Mahl“Der Tisch der Dämonen
Es geht mehr um das,......was auf dem Tisch ist...wer an dem Tisch ist
Im Vordergrund steht mehr:Das MahlDer Gastgeber
Auf das Essen und Trinken in unwürdiger Weise folgt GerichtUnheilige Verbindungen haben eine Zerstörung des Zeugnisses vor der Welt zur Folge
Der Hauptgedanke, dessen was wir tun, ist:Das Gedächtnis des gestorbenen HerrnDer Ausdruck der Einheit des Leibes
Vor uns steht also mehr diepersönliche Seitekorporative Seite
Wenn wir an die Einheit des Leibes denken, tritt wiederum folgender Gedanke vor uns:
»Wie wir gesehen haben, bekennen wir beim Brotbrechen - wie wenig wir uns auch des Charakters unserer Handlungen bewußt sein mögen -, daß wir Teil des einen Leibes und mit allen anderen wahren Christen innigst verbunden sind. Nicht etwa, daß der Leib dadurch gebildet wird, aber sein Existenz wird anerkannt und seine Einheit praktischerweise bekannt« (ebd., Seite 13)
Wenn wir dies beachten, wird es uns vor sektiererischen Gedanken bewahren, gleichwohl wir - in aller Zerissenheit die unter den Gläubigen herrscht - den Leib des Herrn im Glauben auf eine Art und Weise sehen dürfen, wie ihn Gott sieht und wie er einmal in Ewigkeit wieder gesehen werden wird.

Der zweite Aufsatz widmet sich der Darstellung der Einheit, das unser Bekenntnis und unser Tun in Übereinstimmung stehen müssen, denn:
»Es ist daher gänzlich wertlos, mit dem Munde das Einssein aller Gläubigen anzuerkennen, während man sich mit anderen auf dem Boden einer christlichen Vereinigung mit besonderem Namen versammelt. Wer so handelt, widerspricht seinem Bekenntnis.« (ebd., Seite 20-21).
Ganz konkret:
»Die wahren Christen sind also gehalten, die schon bestehende Einheit des Heiligen Geistes zu bewahren und nicht an ihre Stelle ein menschliches Machwerk zu setzen. „Bewahren“ bedeutet, sich so zu versammeln und zu verhalten, daß man alles fernhält, was die Einheit des Geistes praktisch leugnet oder aufhebt; und das setzt voraus, daß man - und dies gehört auch zu dem Bewahren - die Lehre von dieser Einheit allein anerkennt und festhält.« (ebd., Seite 22).

Die letzte Abhandlung zum Thema ist ein Brief aus dem Jahr 1878, welcher unser Thema behandelt.
Wollen wir uns aber auch die folgenden Worte zu Herzen nehmen.
»Ich glaube, daß die christliche Berufung eine himmlische Berufung ist, daß der Christ, wie sein Meister, nicht von der Welt ist, und daß er auf Erden seinen Platz hat als ein Brief Christi, um inmitten der Menschen das Leben Jesu zu offenbaren, in der beständigen Erwartung, daß sein Herr wiederkommt, um ihn zu sich zu nehmen in die Herrlichkeit.« (ebd., Seite 27).
Gerade in unseren westlichen Ländern, dürfen wir für vieles aufrichtig dankbar sein; gegenüber früheren Generationen und auch vielen anderen Menschen heute leben wir - bis auf Ausnahmen - in einem unvergleichlichen Wohlstand. Wir Jüngeren haben (in der Regel) und werden hoffentlich auch nie erfahren was Krieg bedeutet. Ich fürchte jedoch, dass wir darüber vielfach unsere himmlische Berufung vergessen haben, um einem irdischen Wohlleben den Vorzug zu geben. Und fragen wir uns auch, ob wir in der beständigen Erwartung unseres Herrn leben. Der Apostel Paulus redet davon, »danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit bei dem Herrn sein. So ermuntert nun einander mit diesen Worten (1. Thessalonicher 4,17b-18; Elb.CSV). Wann hast Du das letzte Mal jemand mit dieser kostbaren Wahrheit ermuntert oder wurdest gar selbst ermuntert?

Kommen wir nochmals kurz zurück zu unserem eigentlichen Gegenstand:
»Auf der einen Seite gibt es das Werk Christi, auf der anderen, das was sich durch die Menschen und unter ihrer Verantwortlichkeit vollzieht« ... »Was Christus selbst baut, ist eine Sache, und die Frucht seiner Arbeit wird nicht verloren gehen. Was der verantwortliche Mensch baut, ist eine andere Sache.« ... »Was ist nun zu tun? Das Wort sagt uns, daß da, wo zwei oder drei im Namen Jesu versammelt sind, Er in ihrer Mitte  ist (Matth. 18,20). Danach haben wir gehandelt.« (ebd., Seite 37+38)

Montag, 23. März 2015

Lese-Tagebuch - Eintrag 18

Buch: Der gemeinsame Weg der Kinder Gottes nach der Heiligen Schrift
Autor: Karl-Heinz Weber
Auflage: 2. Auflage
Verlag: Ernst-Paulus-Verlag, Neustadt
Seitenzahl: 32

Bevor wir weitere ausführliche Ausarbeitungen betrachten, wollen wir einigen kleineren Ausführungen Raum geben. Das erste Büchlein ist eine »sprachliche Überarbeitung von Vorträgen« (ebd.), deren Wunsch es ist »diesen einen Weg, den Weg der Wahrheit, vorzustellen, damit wir alle persönlich eine Überzeugung gewinnen und diesen Weg dann auch aus Überzeugung gehen.« (ebd., Seite 5).
Diese Notwendigkeit unsere Überzeugung auf das Fundament des Wortes Gottes zu gründen, ist auch deshalb nötig, »damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin und her geworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre, die durch die Betrügerei der Menschen kommt, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum;« (Epheser 4,13; Elb.CSV).

Die Einheit der Gläubigen hat uns schon in den vorhergehenden Teilen beschäftigt, »der Weg zur Einheit ist - so hat es Bruder Darby einmal gesagt - Trennung von dem Bösen« (ebd., Seite 10). Das wirklich beglückende dabei aber ist folgendes:
»Gottes Wort spricht über die Absonderung nicht zuerst im negativen Sinn, es zeigt uns nicht nur, dass Absonderung Wegwendung von dem Bösen ist, sondern es zeigt uns vielmehr, dass Absonderung eine Hinwendung zu der Person des Herrn ist.« (ebd., Seite 12)
Wer sich an Hebräer 13,13 hält, der wird finden, dort, außerhalb des Lagers, ist der Herr zu finden.

Auch den Überrest haben wir schon in dem Buch von Campbell gefunden und wollen hier noch die Kennzeichen desselben vor uns stellen:
1. »Absolute Unterwerfung unter das Wort Gottes«
2. »Hingabe an den Herrn Jesus und die Wahrheit«
3. »aufrichtige Trauer, ein Schmerz über die Zerissenheit auf christlichem Boden«
(ebd., jeweils Seite 14)
Das dies nicht mit Anmaßung oder Hochmut einhergehen kann, wurde ebenfalls schon gesagt:
»Der Überrest beansprucht auch nicht, der Überrest zu sein, aber er ist bemüht, die Lehre zu verwirklichen, die der Herr ursprünglich der ganzen Kirche gegeben hat.« (ebd., Seite 15)
In der Tat ist dies ein Urteil, welches dem Herrn zufällt. Unser Wunsch und unsere Bemühungen sollen es jedoch sein, so zu leben, einmal die Worte des Herrn hören zu dürfen: »Wohl, du guter und treuer Knecht« (s. Matthäus 25 / Lukas 19), einen Vers den der Bruder an das Ende seiner Ausführungen stellt (s. Seite 32).
Es mag wohl so sein, »der christliche Mensch braucht große Zahlen, um die Richtigkeit seines Tuns zu beweisen. Aber das ist nicht die Weise Gottes. Der Herr Jesus neigt sich zu den wenigen herab, die nach den Grundsätzen der Heiligen Schrift zusammenkommen möchten« (ebd., Seite 24-25).

Sonntag, 22. März 2015

Lese-Tagebuch - Eintrag 17

Buch: Die Versammlung des lebendigen Gottes
Autor: Raymond K. Campbell (1909-1991)
Auflage: 1. deutsche Auflage 2013
Verlag: VCG (Verbreitung des christlichen Glaubens e.V.)
ISBN: 978-3-86311-014-7
Seitenzahl: 384

Ein weiteres empfehlenswertes Buch über die Gemeinde (Versammlung) nach den Gedanken Gottes ist dieses. Wie ist es möglich heute...
»in praktischer Weise Zeugnis von der herrlichen Wahrheit über die Einheit des Leibes Christi zu geben und sichtbar in Tat die Einheit des Leibes Christi zu bekennen.«? (Campbell, Seite 20)
Der Autor betont, »dass die Versammlung Gottes keine von Menschen geschaffene Organisation ist, sondern ein lebendiger Organismus, der aus lebendigen Gliedern besteht.« (ebd., Seite 25); »ein geistliches Gebäude aus lebendigen Steinen - aus Gläubigen in Christus.« (ebd., Seite 29). Und »der Gegenstand der innigsten und zärtlichsten Zuneigung Christi und seiner liebenden Fürsorge« (ebd., Seite 33). Selbstverständlich sind diese Wahrheiten mit Konsequenzen verbunden, denen wir uns stellen müssen, wenn wir dem Herrn treu sein wollen. Dabei wird der Blick nach oben gerichtet, darauf, dass die...
»Hoffnung und Bestimmung der Versammlung als Braut Christi darin besteht, mit Ihm in der himmlischen Herrlichkeit vereinigt und verbunden und Ihm gleich zu sein, verwandelt in sein Bild.« (ebd., Seite 38).
Es kann nicht alles lückenlos aufgezählt werden, was angesprochen wird, aber es macht dankbar, mit wie viel Einsicht dieses Buch geschrieben wurde. Über die Heilige Schrift heißt es:
»„Das sagt der Herr“ ist die göttliche Autorität für die Versammlung des lebendigen Gottes, die unter der Leitung des Heiligen Geistes für jede erforderliche Handlung völlig ausreicht.« (ebd., Seite 121).
Die Nähe zum Wort Gottes und der Wunsch von der Schrift her alles zu begründen ist eine der herausragenden Stärken dieses Buches. Von den ersten Christen wird festgehalten:
»Sie brachen nicht gelegentlich das Brot, wie es Gewohnheit der meisten Christen in unseren Tagen ist, sondern regelmäßig an jedem Tag des Herrn. So sollten wir es auch tun, wenn wir dem göttlichen Muster folgen würden, das uns in der Schrift gegeben wird. Diese frühen Christen liebten ihren Herrn zu sehr, um das kostbare Gedenken an seine Liebe zu vernachlässigen, das er in der Nacht seiner Überlieferung eingesetzt hatte.« (ebd., Seite 132).
Sehr schön sind auch die vielfältigen Gedanken, die ab Seite 155 über die Anbetung geäußert werden. Bruder Campbell zitiert an einer Stelle Samuel Ridout mit den Worten:
»Kurz gesagt hat christliche Anbetung ihre Quelle in einer vollbrachten Erlösung; ihr Gegenstand ist Gott, der Vater und der Sohn. Ihr Ort ist die Gegenwart Gottes, ihr Kraft der Heilige Geist, ihr Inhalt die im Wort Gottes völlig offenbarten Wahrheiten und ihre Dauer die Ewigkeit« (ebd., Seite 161).
Eine Gemeinde ist nicht nur aufgerufen »sich abgesondert von allem, was im Widerspruch zu Gottes Wort steht zu versammeln« (ebd., Seite 307), sondern bildet mit anderen Gemeinden, die dies ebenfalls tun »eine praktische Einheit der Gemeinschaft, die der Geist Gottes durch den Gehorsam den Schriften gegenüber hervorbringt. Es ist die einzige praktische Darstellung des Leibes Christi.« (ebd., Seite 308). Wie erhaben ist doch, was Gott im Gehorsam Ihm gegenüber wirkt, gegenüber jenen kläglichen menschlichen Bemühungen eine (falsche!) Einheit auf Kosten der Wahrheit zu schaffen. »Wir müssen den ganzen Leib Christi anerkennen, nicht jedoch die schriftwidrigen Gruppierungen von Gläubigen« (ebd., Seite 309).

Wie schön, wenn wir dann tun dürfen was wir von den Gemeinden aus der Schrift her kennen:
»Durch den Austausch liebevoller Grüße, durch Besuche von Dienern des Herrn unter den Versammlungen und durch die Mitteilungen bezüglich des Wohlergehens sowie der Betätigungen der Einzelnen wurden die Heiligen und die Versammlungen noch enger untereinander verbunden und in der praktischen Liebe, Gemeinschaft und Einheit aufrechterhalten.« (ebd., Seite 313).
Es werden weitere Punkte aufgezählt, aber wir wollen fortfahren mit folgendem Gedanken:
»In der ganzen Schrift finden wir, ganz gleich wie groß das Verderben, das Versagen und die moralische Dunkelheit des allgemeinen Zeugnisses oder der Zeit sind, dass Gott immer einige treue Gläubige hatte, die abgesondert von den verderbten und gottlosen Massen oder dem toten Bekenntnis derer, die behaupteten, Gott zu gehören, und durch wahre Hingabe an Gott und seine Interessen gekennzeichnet waren.« (ebd., Seite 356). 
Es bleibt, dass es »das Vorrecht des einzelnen Gläubigen ist, die Gemeinschaft mit Gott genauso voll und kostbar genießen und auf ebenso hohem Pfad des Gehorsams und Segens wandeln zu dürfen wie in den hellsten Tagen der Geschichte der Versammlung.« (ebd., Seite 358).
Der Autor macht ebenso deutlich, dass dies nichts mit Anmaßung oder Hochmut zu tun hat oder einhergehen kann. Da ist ein Bewusstsein für das »gemeinsame Versagen und Verderben des allgemeinen Zeugnisses« (ebd., Seite 357). Aber eben auch Dankbarkeit dafür, dass es heute noch möglich ist Gottes Gedanken verwirklichen zu dürfen und sei es auch in Schwachheit und kleiner Zahl. Und dazu ist letztlich jedes wahre Kind Gottes aufgerufen.